Stadtbesichtigung Berlin und Berlin – Templin (116 km)
Am Samstag Morgen war ich gespannt, diese Stadt erstmals mit eigenen Augen zu erkunden.
Tempelhofer FeldBrandenburger TorReichtagsgebäudean der SpreeDenkmal für die ermordeten JudenÜber moderne Baukunst lässt sich streiten…Potsdamer PlatzCheckpoint CharlieMarkierung der Berliner MauerFernsehturm am Alexanderplatz
Nachdem ich am Vormittag die Stadt besichtigt hatte, erfolgte die Ausfahrt aus der grossen Stadt erstaunlich reibungslos. Auch an diesem Tag zeigte sich Berlin von der velofreundlichen Seite. Trotzdem genoss ich es, dass mich die Natur wieder umfing. Kontrastprogramm mit der Fahrt durch die Schorfheide.
Da dieser Tag schwer planbar war, hatte ich für diesen Abend ausnahmsweise keine Unterkunft reserviert. Die Suche erwies sich schwieriger als gedacht. Erst spät fand ich in Templin eine schmucke Absteige:
Templin am nächsten Morgen
Rekordverdächtig war die Anzahl Schlüssel, mit der ich mich herumschlagen musste, um das Fahrrad einstellen zu können:
Der Osten Deutschlands hat aber nicht nur Pflastersteine zu bieten. Angenehm in der Sommerhitze sind die vielen Alleen entlang der Hauptstrassen.
So legte ich an diesem Tag zwischen Leipzig und Berlin die Kilometer zügig zurück. Ich teilte über grössere Strecken die Welt mit den Lastwagenfahrern. Nicht nur auf der Strasse, auch hier in diesem amerikanisch anmutenden Truckstop:
Man kann nicht alles. Zeit für Kultur und zugleich ein Meer erreichen und wieder nach Hause fahren wollen verträgt sich leider schlecht miteinander. Manche mögen den Kopf schütteln, wenn ich zugebe, dass ich die Lutherstadt Wittenberg wörtlich links liegen liess:
Lutherstadt Wittenberg
In Berlin machte ich eine Ausnahme. Auf der langen Fahrt durch Vororte und Quartiere bis in die Innenstadt zeigte sich mir die Hauptstadt zunächst mal als ausgeprägte Velostadt. Schnell habe ich das richtige Fahrverhalten an den Kreuzungen gelernt und ich schätzte, dass im Gegensatz zu Zürich die Fahrradwege möglichst durchgehend angelegt sind.
In Berlin wurde ich von einem Schweizer Freund und seiner Partnerin gastlich aufgenommen, die am Kreuzberg eine schmucke Altstadtwohnung mit unglaublich hohen Räumen bewohnten.
5 Tage reichten, um trotz Gluthitze von Zürich nach Berlin zu gelangen!
Stegenwaldhaus befindet sich kaum 30 km vom westlichsten Zipfel Tschechiens entfernt. Kurz nach der Abfahrt befand ich mich bereits in der Gegend der früheren DDR. Als ich nach einer rasenden Abfahrt in die erste Ost-Ortschaft brutal von den unerwarteten Pflastersteinen empfangen wurde, ahnte ich noch nicht, dass dies eine gute Woche lang in unzähligen Ortsdurchfahrten zur Normalität werden sollte.
Die Trostlosigkeit des vergessenen Ostens zeigt exemplarisch die „Aussicht“, die ich hatte, während ich auf die Öffnung dieses Bahnübergangs wartete:
Schwungvoll fuhr ich aus den Hügeln hinaus, die immer flacher wurden und schliesslich flachem Gelände wichen.
In Leipzig reichte die Wärme der Abendsonne immer noch, um die Velokleider, die ich im Hotel gleich mir mir zusammen unter die Dusche genommen hatte, restlos zu trocknen.
Eigentlich wollte ich nicht 200 km an einem Tag fahren. Ich hatte für meine nächste Übernachtung auf warmshowers einen Gastgeber gefunden ungefähr dort, wo ich mir den nächsten Etappenhalt wünschte. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er umgezogen war und vergessen hatte, sein Profil zu aktualisieren. Als ich es doch noch vor meiner Abreise erfuhr, überlegte ich mir, ob ich mir die zusätzlichen 30 km antun wolle. Da ich mich aber sehr willkommen fühlte, nahm ich sie in Kauf.
Am Anfang lief alles gut. Ausgangs Ulm hatte ich eine Weile, die richtige Route zu finden. Ich verliess die mir bekannte Gegend entlang der Donau.
UlmBurg Katzenstein
In der Tagesmitte wurde es beinahe 40° warm und ich begann immer mehr zu leiden. Nach der Durchquerung des Nördlinger Ries wurde ich Opfer einer Krise, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Nichts mehr ging; Körper und Seele streikten. Ich musste mich spontan am Strassenrand hinlegen mit dem Gefühl, an diesem Tag keinen Meter mehr vom Fleck zu kommen, und wusste doch zugleich, dass ich bis am Abend Nürnberg erreichen müsste.
Nach einigen Minuten versuchte ich es erst mit Schieben, dann mit Schneckentempo fahren; allmählich begann es wieder zu laufen. Abends um 21 Uhr, kurz nach Sonnenuntergang erreichte ich mein Ziel, nachdem ich 13 Stunden unterwegs gewesen war.
Nürnberg
Bei meinem ersten Warmshowers-Aufenthalt erlebte ich in einer Studenten-WG herzliche Gastfreundschaft inklusive Ausgang im Multikulti-Quartier Nürnbergs. Das tat gut!
Lockere erste Etappe auf Strassen, die ich alle früher schon befahren hatte, manche auch mehrmals. Erster Halt im schmucken Städtchen Munderkingen an der jungen Donau. Übernachtung im Gasthof Rössle.